Interview mit Martin Schwanda

Unser Divestyle-Clubkollege MARTIN SCHWANDA steht derzeit in Wien auf der Bühne des Salon 5. Beim Apnoetauchen ist er bereits am besten Weg zum Unterwasserboss, im Stück “Carambolage” spielt er einen Unterweltboss in der Rolle des Don Gian! Dazu haben wir Martin um ein Interview gebeten:


- Du bist seit heuer Mitglied bei Club Divestyle, wie kam es dazu?
Ich war schon in meiner Kindheit viel im Mittelmeer schnorcheln. Das hat mir immer großen Spass gemacht. Mich in der Unterwasserwelt zu bewegen hat für mich nach wie vor etwas sehr Abenteuerliches. Mit 25 Jahren hab ich dann auf den Malediven Gerätetauchen gelernt. So toll ich das auch fand, so richtig frei und lebendig hab ich mich unter Wasser meist nur mit Flossen und Taucherbrille gefühlt. Ich wollte schon länger mit dem Apnoetauchen anfangen, aus irgendwelchen Gründen kam es aber nie dazu. Glücklicherweise hat mich eine befreundete Taucherin im Frühjahr mit der Hennie verlinkt und ich hab gleich den nächsten Kurs bei Euch gemacht. Jetzt frage ich mich, warum ich nicht schon vor Jahren auf die Idee gekommen bin ;-). Wenn ich die Zeit hätte wäre ich ständig im Schwimmbad und würde jeden Apnoe-Ausflug mit euch machen.


- Hauptberuflich bist Du Schauspieler, welche Charaktere spielst Du am liebsten? Was wäre Deine Traumrolle?
Ich mag gerne vielschichtige kraftvolle Figuren. Die können gerne auch etwas Abgründiges haben. Ich spiele auch sehr gerne komische Rollen, solange sie nicht zu oberflächlich sind. Ich hab viel Shakespeare gespielt. Da gibt es oft sehr grob geschnitzte Figuren, denen man einen Körper geben und sie mit Leben füllen muss. Jede Rolle hat einen eigenen Rhythmus und ein eigenes "Körperkostüm". Ich suche immer auch eine Verwandlung. Als junger Schauspieler hab ich ein möglichst naturalistisches Spiel gesucht, inzwischen finde ich es sehr spannend Stücke zu spielen, die eine starke Form und anspruchsvolle Sprache haben. Traumrollen gibt es viele - Richard III., Othello, Macbeth, Liliom und viele mehr.... Und sollte ich mal für einen tollen Tauchfilm gefragt werden, würde ich bestimmt auch nicht nein sagen.

- Gibt es Verbindungen zwischen Theaterleben und Freitauchen?
Sowohl beim Theaterspielen, als auch beim Freitauchen muss man sehr im Moment sein, sehr präsent bei sich und seinem Partner, muss sich der Sache 100%ig hingeben, ohne dabei die Kontrolle zu verlieren. Auch beim Theaterspielen ist die mentale Komponente entscheidend.


- Im Oktober wirst Du im Salon 5 auftreten und im Stück “Carambolage” spielen. Welchen Charakter stellst Du darin dar?
Ich spiele einen mächtigen Unterweltboss namens Don Gian, der sich für ein sehr sinnliches, pralles Leben entschieden hat und den Alkohol nicht ganz im Griff hat.

- Die Autorin des Stücks, Anna Poloni, hat zuvor mit “Camera Clara” einen viel beachteten Überraschungscoup geliefert. Wie siehst Du nun “Carambolage”?

Camera Clara war eine sehr schöne Arbeit, die wir in Koproduktion mit dem Grand Theatre Luxembourg herausgebracht haben. Das Stück war sprachlich sehr pointiert und reduziert. Da hätte man kaum noch ein Wort weglassen können. Für den Schauspieler bedeutet das, dass er jede Situation sehr genau treffen muss.
Ähnlich wie bei Camera Clara, das den Untertitel "Wie man leben muss" hatte, hat die Autorin Anna Poloni auch mit Carambolage ein Stück über sehr, sehr unterschiedliche Lebensentwürfe gemacht. Da gibt es neben dem Unterweltboss Don Gian, die sehr sterile, verhärtete, ein Medienimperium leitende Dornstrauch, den rechtschaffenen Journalisten Brand, den jungen wilden Blogger Enrique und eine merkwürdige engelsartige Figur, die auch noch Engel heisst.... und allen fliegt in dem Stück so einiges um die Ohren.

- Regie führt Anna Maria Krassnigg, sie wird im kommenden Jahr die Intendanz im Thalhof in Reichenau übernehmen. Werden wir Dich vielleicht im kommenden Jahr auch dort bewundern können?
Davon ist auszugehen. Ich hoffe es. Denn sowohl das Team um Anna Maria Krassnigg, als auch der Thalhof an sich sind großartig. Im Thalhof haben wir bereits für ein Folgeprojekt gedreht. Der Ort ist ja sehr besonders und soll sowohl ein Aufführungsort für die Literatur, die dort geschrieben wurde werden, als auch einer für Texte, die dort heute entstehen. Ich bin sehr gespannt auf das, was da auf mich zukommt.
Anna Maria Krassnigg und ich kennen uns bereits seit unserem gemeinsamen Studium am Reinhardt Seminar, das auch schon eine Zeit zurück liegt. Wir arbeiten sehr gerne und sehr gut mit einander.


- Wie siehst Du die Theaterkultur in Österreich?
Es gibt großartiges Theater in Österreich und viele tolle Künstler. Ich würde mir wünschen, dass die öffentlichen Gelder etwas gerechter verteilt würden und spannende freie Projekte, Ensembles und Schauspieler so bessere Arbeitsbedingungen hätten.

- Welche Aufgaben warten in naher Zukunft noch auf Dich?
Parallel zum Start von Carambolage in dem wunderschönen Nestroyhof starte ich meine Lehrtätigkeit am Max Reinhardt Seminar als Rollenlehrer. Da freue ich mich sehr darauf. Ich fühle mich diesem Institut seit meinem Studium sehr verbunden. Nach der Premiere fahre ich dann gleich für eine Filmproduktion für ein paar Tage nach Andalusien. Im November mach ich ein Projekt mit den Hamburger Symphonikern in Hamburg - da kommt eine meiner Masken, die ich seit einigen Jahren baue, zum Einsatz. Neben meiner künstlerischen Arbeit coache ich ein Unternehmen, das dabei ist, mit meinen Inputs die Art und Weise ihrer Auftritte und Präsentationen völlig neu zu gestalten und ich unterrichte an der Fachhochschule "nonverbale Kommunikation" - das ist auch fürs Tauchen interessant ;-).
Im Oktober/November gibt es dann auch im Nestroyhof szenische Lesungen von Robert Schindels Roman "Der Kalte" über die Waldheim-Ära. Das nächste große Theaterstück wird wieder eines von Anna Poloni werden - Pasada.
Und ich hoffe sehr, es bleibt ausreichend Zeit zum Apnoetauchen!!!

Vielen Dank, lieber Martin, für das Interview!

Website:
http://salon5.at/produktionen/carambolage/
Teaser mit Martin: http://vimeo.com/106062116

Das Interview führte Thomas Steigberger.
21.09.2014


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