Tauchreflex

Der Tauchreflex ist entwicklungsgeschichtlich sehr alt. Er stammt aus der Zeit, als unsere Urahnen als Amphibien auf der Erde weilten. Der Tauchreflex dient zur Reduzierung des Sauerstoffverbrauchs. Den lebensnotwendigen Sauerstoff können wir – mangels Kiemen - ja unter Wasser nicht aufnehmen.
Sparsamer Verbrauch erhöht also die Tauch-(bzw. Überlebens-)Zeit. Der Tauchreflex ist bei allen Säugetieren vorhanden, allerdings mehr oder minder stark ausgeprägt. Am besten ist der Organismus der tauchenden Meeressäugetiere auf Apnoetauchgänge eingestellt.





Um mit dem lebenswichtigen Sauerstoff möglichst lange auszukommen wird bei unseren tauchenden Verwandten, den Walen und Delphinen, beim Tauchen die Herzfrequenz deutlich gesenkt und die Durchblutung nicht lebenswichtiger Organe stark gedrosselt. Bei Pottwalen sind Tauchzeiten von zwei Stunden beobachtet worden. Menschen sind im Gegensatz zu den Walen lausige Apnoetaucher.

Der Tauchreflex ist bei uns leider nicht sehr ausgeprägt. Die Möglichkeiten zur Sauerstoffeinsparung halten sich daher in Grenzen. Apnoetauchgänge von Menschen dürften unseren entfernten Vettern im Meer daher nur ein mitleidiges Lächeln entlocken.





Bloodshift

Rekord-Apnoisten müssen ihr Lungenvolumen extrem verringern können. Sonst droht in der Tiefe die Gefahr einer Lungenverletzung durch den dann in der Lunge herrschenden Unterdruck (=Barotrauma).
Die Reduzierung des Lungenvolumens wird möglich durch ein Training der Brustkorbbeweglichkeit und eine erhöhte Elastizität des Zwerchfells. In extremer Ausatemstellung der Lunge verschiebt sich das Zwerchfell dann bis weit in den Brustraum. Zusätzlich erfolgt durch den (zunächst nur leichten) Unterdruck in der Lunge eine Blut-Umverteilung vom Bauch in den Brustraum (= Bloodshift).





Hierbei dehnen sich die in der Lunge befindlichen Venen und füllen sich vermehrt mit Blut. Durch diese Umverteilung wird etwa 500 ml bis max. 1000 ml Blut in den Brustraum verlagert.
Jenseits von 30 bis 40 Metern Wassertiefe, nachdem der Brustkorb seine Ausatemstellung bereits erreicht hat, ist die Blut-Umverteilung in den Brustraum der wesentliche Faktor für die weitere Lungenvolumen-Reduzierung und der Schlüssel zur Vermeidung eines Unterdruck-Barotraumas.





Medizinische Probleme

Mit zunehmender Wassertiefe steigt der Umgebungsdruck. In 20 Meter Tiefe herrscht bereits ein Druck von 3 bar, dies entspricht ca. 2 ATÜ (also etwa wie in einem Autoreifen). Der menschliche Körper ist derartigen Drücken gewachsen, da flüssige und feste Körpergewebe auch bei höheren Umgebungsdrücken nicht zusammengedrückt (=komprimiert) werden können.
Allerdings gibt es für Apnoetaucher ein Problem: Die luftgefüllten Hohlräume im Körper, wie Lunge und Nasen-Rachen-Raum. Da Gase durch höhere Drücke sehr wohl komprimiert werden, wird sich die gesamte Gasmenge im Körper bei 3 bar auf ca. 1/3 ihres ursprünglichen Volumens verkleinern. Taucht man noch tiefer, so hat eine durchschnittlich große Lunge bereits in etwa 30 Metern Tiefe ihre Ausatemstellung erreicht.





Sporttaucher haben dieses Problem nicht, da sie über ihr Tauchgerät Luft mit dem jeweiligen Umgebungsdruck atmen können und so immer ihr normales Lungenvolumen behalten. In der Weltrekordtiefe von z.b. Herbert Nitsch in der Apnoedisziplin „No Limit“, in 214 Metern Tiefe, herrscht ein Druck von 22,4 bar. Um diesem Druck standzuhalten, laufen im Körper komplexe Anpassungsmechanismen ab. (siehe zb. Bloodshift)

Noch vor 30 Jahren dachte man, derartige Tiefen seien für Menschen überhaupt nicht zu erreichen.

(c): Bild 1,4,5,6: Hennie Kissling, Bild 2: Rainer Börecz, Bild 3: Nicola Puchas




Herbert Nitsch Disziplin: Free Immersion


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